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O T T O M U E L
L E R war ein Einzelgänger. Seine Kunst ist so sehr individuell
und so unverwechselbar persönlich stilisiert, daß gelegentlich
kritisch und aus Unverständnis geäußert wurde, sie sei
eintönig und schematisch. Bei näherer Betrachtung und genauerem
Studium des Werkes ist festzustellen: alle Variationen des Grundthemas
weisen große Unterschiede auf. Bei aller Ähnlichkeit sind es
differenzierte, genaue Kompositionen, von denen jede einzelne unverwechselbar
ist. Mechanische Wiederholungen gibt es nicht. Mehrfache Veränderungen
eines Grundthemas, einer Komposition sind immer reizvoll und ganz neu.
Dies gilt sowohl für Variationen in gleicher Technik als auch beim
Wechsel von der Lithographie zum Aquarell oder zum Gemälde.
Otto Mueller war ein
extremer Individualist. Dennoch steht er nicht allein in der Kunst seiner
Zeit. Viele Kontakte verbanden ihn mit Künstlern, Sammlern, Kunsthändlern
und Museumsdirektoren. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, ihn mit den Künstlern
und der Kunst seiner Zeit zu vergleichen und dies als Ausstellungsthema
zu wählen. Die Künstlerfreunde der BRÜCKE und andere Expressionisten
haben Otto Mueller zurecht als einen der ihren betrachtet, ohne seine
Eigenart in Frage zu stellen.
Aus gegebenem Anlaß
sei ein Hinweis erlaubt. Otto Mueller hat weit weniger Werke geschaffen
als die meisten seiner Zeitgenossen. Die Seltenheit seines Werkes aus
knapp 20 Schaffensjahren und das daraus resultierende Preisniveau hat
eine zunehmende Flut von Fälschungen bewirkt. Es sei an dieser Stelle
davor gewarnt, die vielfach angebotenen günstigen Gelegenheiten
vorbehaltlos und ohne vorherige genaue Expertenprüfung wahrzunehmen.
Wir freuen uns deshalb
besonders, eine so reichhaltige Ausstellung zeigen zu können, wie
es künftig kaum noch möglich sein wird.
F l o r i a n K
a r s c h
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