| Josef
Scharl zum Gedächtnis
Es
ist genau 40 Jahre her, daß unsere neu entstandene Galerie
Nierendorf an die Tradition der alten Galerie anknüpfend, ihre
erste Ausstellung Josef Scharl zeigte. Auch dies war eine Gedächtnis-Ausstellung,
fast zehn Jahre nach seinem unerwarteten, plötzlichen Tod am
6. Dezember 1954, drei Tage vor seinem 58. Geburtstag.
Diese
neue Präsentation ist die 15. unserer Galerie, die sich seinem
Werk speziell widmet. 1933 und 1935 die beiden ersten in Berlin,
1941, 1943, 1944, 1945 und 1947 fünf Einzelausstellungen in
der Nierendorf Gallery in New York. Dann acht Ausstellungen bis
heute in der Hardenbergstraße mit den alle Werke abbildenden
Katalogen 1964 (KBL 3), 1967 (SK 6), 1971 (KBL 24), 1973 (KBL 29),
1983 (SK 16), 1991 (KBL 52), 1996 (KBL 60) und jetzt KBL 75, in
dem alle 50 Gemälde farbig abgebildet sind.
Da
ich für die erwähnten (und bei uns noch verfügbaren)
Kataloge bereits einige Begleittexte verfaßt habe, möchte
ich mich nicht wiederholen. Es liegt mir ohnehin nicht, Werke oder
Schaffensphasen von Künstlern zu kommentieren, zu erklären
oder gar zu deuten. Da schließe ich mich nur zu gern dem Maler
Schmidt-Rottluff an, der es ablehnte, seine Werke zu "erklären".
Wer beim Betrachten seiner Bilder ihren Sinn nicht erfasse, dem
könne er sie mit Worten nicht näher bringen. Alles, was
er zu sagen hätte, wäre von ihm hineingemalt. Wer es nicht
selbst sieht, dem könne er es auch nicht erklären.
In
den vergangenen Jahrzehnten hat das Lebenswerk von Josef Scharl
immer größere Resonanz gefunden. Das hat dazu geführt,
daß endlich 1999 die große Monographie über Josef
Scharl erschien, herausgegeben von Andrea Firmenich mit dem angeschlossenen
Werkverzeichnis der Gemälde von Andrea Lukas und dem der Druckgraphik
von Peter Bronner: "Josef Scharl. Monographie und Werkverzeichnis",
Wienand Verlag, Köln 1999. Diese Publikation diente auch als
Katalog zur gleichzeitigen sehr umfassenden Ausstellung der Kunsthalle
in Emden, wo sich in der Stiftung der Sammlung Henri und Eske Nannen
eine stattliche Reihe sehr bedeutender Werke des Künstlers
befindet. Anschließend wurde die Ausstellung auch noch im
Sinclair Haus in Bad Homburg von der Höhe gezeigt. Insgesamt
hatten wir 27 Leihgaben zu diesem Unternehmen beigesteuert. Die
Monographie hat den Blick auf Josef Scharl erweitert und erleichtert.
Die Werkverzeichnisse der Gemälde und Graphiken haben viele
Zusammenhänge verdeutlicht und sind nun eine unentbehrliche
Hilfe für die Wissenschaft und den interessierten Sammler.
Von einem erheblichen Teil der Gemälde ist der Verbleib nicht
bekannt. Es ist zu hoffen, daß sich noch zahlreiche Werke
anfinden, auch solche, die durch den Oeuvrekatalog nicht erfaßt
wurden. Das gilt besonders für Arbeiten der Frühzeit aus
München und für andere in den USA entstandene, die Josef
Scharl verschenkte oder verkaufte, ohne sie aufzulisten oder durch
Fotos zu dokumentieren.
Aus
dem Werkkatalog ist ersichtlich, daß mehr als die Hälfte
aller Gemälde einmal in der Galerie Nierendorf gezeigt wurde,
ein großer Teil davon konnte seit 1964 von uns an Sammler
und Museen vermittelt werden.
Daß
Josef Scharl nun nicht länger als unbekannter Außenseiter
betrachtet werden darf, geht auch daraus hervor, daß zunehmend
Fälschungen mit seinem Namen in Umlauf gebracht werden. Fälscher
versuchen bekanntlich nur solche Künstler nachzuahmen, deren
Werke einen schnellen und profitablen Verkauf versprechen. So wurde
kürzlich die primitive Kopie einer Zeichnung, die sich in unserem
Besitz befindet und die in der Monographie von 1999 abgebildet ist,
gleich zweimal über das Internet in einer eBay Auktion verkauft.
Man sollte demnach beim Erwerb der Werke von Josef Scharl unbedingt
darauf achten, daß der Verkäufer für ihre Authentizität
garantiert.
Florian
Karsch
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