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Vor
einem Vierteljahrhundert starb Gerhard Marcks
Aus dem besonderen Anlaß wollen wir in dieser
so schnell dahin lebenden Zeit an den großen deutschen Bildhauer
erinnern, dessen so bedeutendes und umfangreiches Werk uns über
40 Jahre in unserer Galerie begleitet hat. Ab 1964 sind es nun elf
Einzelausstellungen, die wir seinem Schaffen widmeten. Viele Briefe
mit seinen treffenden Äußerungen zur Zeit und zur Kunst
hat er mir geschrieben, alle in seiner so schönen und lesbaren
Handschrift. So klar und wach, daß man sein Alter vergaß,
humorvoll und in der letzten Zeit auch ganz bewußt sich dem
nahendem Ende seines Lebens stellend. Den letzten dieser Briefe
vom 10.August 1981 bilden wir hier noch einmal ab, in dem zarten
Tintenblau des Originals. Am Ende zitiert er Angelus Silesius, noch
wissend, daß ich in Schlesien geboren wurde.
Zum Werk von Gerhard Marcks und zu seiner Bedeutung
möchte ich mich aus Anlaß dieser Ausstellung nicht äußern
- es liegt mir ohnehin nicht, deutend oder gar urteilend über
Kunst oder Künstler zu schreiben. Das rein Faktische ist mehr
nach meinem Geschmack und es sind da andere Autoren kompetenter
und fleißiger. Nur soviel möchte ich sagen, auch im Zusammenhang
mit seinem letzten Brief und seinem Inhalt. Was er damals schon
als "Chamäleon" bezeichnete, hat sich inzwischen zu einem bedrohlichen
Drachen entwickelt, der die Kunst, die Marcks liebte, zu verschlingen
droht. Der Funke in der Asche, er muß noch eine ganze Weile
im Geheimen glühen. Erst eine kommende Generation wird sich
wohl von dem lösen, was heute so laut die Szene beherrscht
und sich vielleicht erstaunt fragen, weshalb manch gegenwärtiges
Schaffen der Bildhauerei zugeordnet wurde. Erst dann wird man die
Bedeutung derjenigen Künstler richtig einschätzen, die
sich nicht im Strom der Zeit verirrten.
Berlin im September 2006
Florian Karsch
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